Der Strukturwandel in der Lausitz und Hoyerswerda ist ein komplexes Thema und mit hohen Kosten verbunden. Viele Aspekte müssen berücksichtigt werden. In Bund, Ländern und der EU gibt es aus diesem Grund Förderprogramme, um die betroffenen Regionen zu unterstützen. Davon profitiert auch Hoyerswerda, doch es gibt auch viele Fragen und Fehlinformationen. Aus diesem Grund haben wir hier wichtige Themen und häufig gestellte Fragen zusammengestellt:
Warum Strukturwandel durch Kohleausstieg?
Die Folgen des Klimawandels werden sich in Zukunft weiter verstärken, wenn der Ausstoß der Treibhausgase nicht verringert wird. Dies erfordert die Transformation der Energiesysteme – weg von fossilen, hin zu klimaneutralen Energien. So wurde der Kohleausstieg im Jahr 2020 gesetzlich beschlossen. Dies betrifft natürlich auch das Lausitzer Revier und Hoyerswerda. Die drei Braunkohlekraftwerke in der Lausitz gehören zu den zehn emissionsintensivsten Industrieanlagen Europas. Der Kohleausstieg ist ein wichtiger Schritt, um Deutschlands Emissionsziele zu erreichen. Der damit verbundene Strukturwandel hat jedoch auch Auswirkungen auf die Landschaft und die Menschen in der Region. Der beschlossene Kohleausstieg bis spätestens 2038 bringt bedeutende sozioökonomische Herausforderungen mit sich, insbesondere in Bezug auf Arbeitsplätze und regionale Bedeutung.
Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/304334/strukturwandel-als-gelegenheit-fuer-die-lausitz/https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Artikel/Wirtschaft/kohleausstieg-und-strukturwandel.htmlQuelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/304334/strukturwandel-als-gelegenheit-fuer-die-lausitz/
Welche Förderungen gibt es?
In Bund, Ländern und der Europäischer Union gibt es unterschiedliche Förderprogramme, die alle dem Ziel dienen, die Transformation in den Braunkohleregionen zu unterstützen. Dabei gibt es eine Bund-Land-Förderung auf Grundlage des Investitionsgesetzes Kohleregionen (InvKG), die Bundesförderung STARK (§15 des InvKG) und den Just Transition Fund (JTF) 2021 – 2027.
Mehr Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen gibt es unter https://www.hoyerswerda.de/wirtschaft/strukturwandel/foerderprogramme/
Warum werden mit den Strukturwandel-Millionen keine Unternehmen angesiedelt?
Vereinfacht gesagt geht es bei der Strukturförderung mehr um „Arbeitskräfte“ als um „Arbeitsplätze“. Aufgrund der demografischen Entwicklung gibt es bereits einen hohen Fachkräftebedarf, zudem entstehen viele neue Jobs in der Region. Die große Aufgabe ist es nun, die Fachkräfte in der Region zuhalten und vor allem neue zu gewinnen. Die aktuellen Strukturfördermöglichkeiten zielen darauf ab, dass Kommunen dafür die Rahmenbedingungen weiter verbessern. Direkte Unternehmensansiedlungen sind dabei nicht möglich. Ein Fokus liegt auf der Sicherung und dem Ausbau der Infrastruktur und der weichen Standortfaktoren wie Kultur- und Freizeitangebote. Zusätzlich werden seitens des Freistaates Sachsen die Ansiedlungen von Forschungseinrichtungen mit großem Wirtschaftspotenzial gefördert, um u.a. neue Arbeitsplätze zu schaffen und Neuansiedlungen zu fördern. Die Qualität von Forschungseinrichtungen und der Innovationsgrad in der Region gehören ebenfalls zu den weichen Standortfaktoren und sind wichtige Entscheidungskriterien für potentielle Unternehmensansiedlungen.
Was soll es bringen, dass Einrichtungen wie das Lausitzbad oder die Lausitzhalle gefördert werden?
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigt eine starke Wirtschaft neben einer zukunftsfähigen Infrastruktur vor allem Fachkräfte. Um diese an Hoyerswerda zu binden und neue anzulocken spielt die Lebensqualität eine entscheidende Rolle. Es geht um Themen wie Grundversorgung, attraktiver Wohnraum, Bildungsmöglichkeiten aber eben auch Kultur- und Freizeitangebote. Diese gilt es fit für die Zukunft zu machen. Ohne die aktuellen Strukturfördermittel wäre der langfristige Fortbestand einiger Einrichtungen samt Arbeitsplätzen gefährdet. Dies würde sich wiederum negativ auf die Attraktivität der Stadt und somit auch auf die nachhaltige Bindung sowie Gewinnung von Fachkräfte und Einwohner auswirken.
Was soll die Ansiedlung von Forschungseinrichtungen wie dem Smart Mobility Lab bringen?
Forschung schafft wichtige Voraussetzungen für Lebensqualität und Wohlstand. Sie ist ein entscheidender Hebel, um Standortnachteilen entgegenzuwirken und zukunftsfähige Regionen zu schaffen. Das Smart Mobility Lab (SML) schafft über 300 Arbeitsplätze in Schwarzkollm. Das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA) bringt zusätzlich 2.000 Stellen, viele davon im Low Seismic Lab in Ralbitz-Rosental, das nur 18 km von Hoyerswerda entfernt ist. Neben zahlreiche Jobs in den verschiedensten Bereichen werden die vorhandene Wirtschaft unterstützt und Neuansiedlungen, ja sogar Neugründung gefördert.
Warum werden keine Arbeitsplätze geschaffen?
In den nächsten Monaten werden zahlreiche neue Arbeitsplätze in Hoyerswerda und der Region entstehen und im Zuge des Strukturwandels auch bestehende gesichert.
Auch neue Stellen, die nicht direkt im Stadtgebiet angesiedelt werden, bspw. in Bernsdorf oder Schwarze Pumpe, haben positiven Einfluss, denn Hoyerswerda kann als Wohnstandort punkten, hat als Mittelzentrum aber auch eine besondere Versorgungsfunktion für das Umland. Mehr Menschen in der Region bedeuten mehr Kaufkraft und zusätzliche Nutzer u.a. für die verschiedenen Kultur-, Freizeit- und Einkaufsangebote.
Hier eine Übersicht von neuen Arbeitsplätzen in Hoyerswerda und der Region, die in den nächsten Jahren entstehen werden (Stand: Februar 2024):
Smart Mobility Lab (SML) – Forschungscampus Lausitz
YADOS GmbH
Bundeswehr Logistikbataillons 471 in Straßgräbchen
- Ansiedlung von 800 Dienstposten darunter rund 700 Soldatinnen und Soldaten
Deutsches Zentrum für Astrophysik (DZA)
Gesundheitsregion Lausitz
Zentrum Bauen und Wohnen
Erweiterung Zoo Hoyerswerda
- Sicherung von 28 Arbeitsplätzen (+4 Azubi) direkt beim Zoo
- Schaffung von 8 Arbeitsplätzen durch Umsetzung des Zookonzeptes
- indirekte Schaffung von Arbeitsplätzen bei Partnern (für Zookasse +1, für Reinigung +1) und Dienstleistern (Futterzulieferer, Wartung Gebäude/Technik…) sowie positive Wirkung auf Arbeitsplätze im touristischen Bereich im Lausitzer Seenland (durch Erhöhung der Gästezahl)
- https://darumwhy.de/strukturwandel-nach-plan/erweiterung-zoo-hoyerswerda/
Können Projekte den demografischen Wandel stoppen?
Projekte allein können den demografischen Wandel nicht vollständig stoppen, aber sie können wichtige Hebel sein, um dessen Auswirkungen zu mindern und positive Veränderungen einzuleiten. Der demografische Wandel – geprägt durch Alterung der Gesellschaft, Abwanderung und sinkende Geburtenraten – ist ein komplexes Phänomen, das viele Faktoren umfasst. Projekte können jedoch dazu beitragen, die Attraktivität einer Region zu steigern und so Menschen zu halten oder neu anzuziehen.
Wie können Projekte helfen?
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Lebensqualität verbessern:
- Freizeitangebote: Attraktive Freizeitprojekte wie der Ausbau des Scheibe-Sees oder die Modernisierung des Lausitzbades erhöhen die Lebensqualität und machen eine Region für Familien und junge Menschen ansprechender.
- Kulturelle Angebote: Projekte wie die Sanierung der Lausitzhalle schaffen Orte der Begegnung und stärken die regionale Identität.
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Infrastruktur und Versorgung sichern:
- Projekte wie das Wasserwerk Zeißig zeigen, dass die Region langfristig in die Grundversorgung investiert. Das gibt Sicherheit und schafft Vertrauen.
- Verbesserter ÖPNV durch Elektrobusse erleichtert das Leben in der Region und macht sie für Pendler attraktiver.
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Arbeitsplätze und Wirtschaft fördern:
- Projekte wie das Smart Mobility Lab oder das Zentrum Bauen und Wohnen schaffen neue Jobs und ziehen Fachkräfte an. Sie stärken die wirtschaftliche Basis und sorgen dafür, dass Menschen in der Region bleiben können.
- Der Fokus liegt darauf, Unternehmen in die Region zu holen, die von einer starken Infrastruktur und qualifizierten Fachkräften profitieren.
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Bildung und Zukunftsperspektiven bieten:
- Projekte wie das Deutsche Zentrum für Astrophysik schaffen spannende Ausbildungs- und Forschungsplätze und bieten jungen Menschen Perspektiven direkt vor Ort.
- Durch Weiterbildungsangebote wird die Region auch für ältere Generationen attraktiv, die sich beruflich neu orientieren wollen.
Was sind die Grenzen von Projekten?
- Langfristige Wirkung: Projekte wirken nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit, bis sich die Effekte entfalten und Menschen die Veränderungen wahrnehmen.
- Abhängigkeit von weiteren Faktoren: Gute Projekte allein reichen nicht aus. Es braucht eine klare Kommunikationsstrategie, attraktive Wohnangebote und eine eng vernetzte regionale Zusammenarbeit.
- Gesellschaftliche Akzeptanz: Der Erfolg von Projekten hängt davon ab, ob sie von der Bevölkerung unterstützt und genutzt werden.
Fazit:
Projekte können den demografischen Wandel nicht aufhalten, aber sie sind ein essenzieller Teil einer umfassenden Strategie. Sie schaffen die Grundlage für eine zukunftssichere, lebenswerte Region und senden das Signal: „Hier lohnt es sich, zu bleiben oder zurückzukommen.“ Entscheidend ist, dass diese Projekte Teil einer langfristigen Vision sind, die Menschen aktiv einbindet und Perspektiven für alle Generationen bietet.
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Welchen Plan hat Hoyerswerda?
Mit der Strategie „LebensEnergieStadt“ hat Hoyerswerda bereits 2019 mit zahlreichen Akteuren mehr als 20 Projekte skizziert und so die Basis für eine nachhaltige Stadtentwicklung gelegt. Dank dieser Vorarbeit konnten bereits über 280 Millionen Euro an Fördermitteln akquiriert und bereits wichtige Impulse gesetzt werden. Dabei wird sich strategisch auf die Standortentwicklung in den Schwerpunktbereichen Energie, innovatives bezahlbares Bauen und Wohnen sowie Gesundheit konzentriert und wie die notwendigen infrastrukturellen Voraussetzungen (Energie, Kommunikation, Bildung) als Basis für die weiter zu entwickelnden wirtschaftlichen Aktivitäten bereitgestellt werden. Die „LebensEnergieStadt“ besitzt dabei alle Potenziale, Erfahrungen und Chancen, um innerhalb der Lausitzer Modellregion für den Kohleausstieg und den Klimaschutz eine entscheidende Vorreiterrolle mit nationaler und internationaler Reichweite einzunehmen. Dahinter steckt ein interdisziplinärer Prozess, der eine Vielzahl von Akteuren bindet und neue Netzwerke schafft.
Mehr zur Strategie gibt es unter https://darumwhy.de/lebensenergiestadt/ zu erfahren.
Welche Projekte werden in Hoyerswerda umgesetzt?
Hoyerswerda hat sich bereits 2019 intensiv mit dieser Thematik auseinander gesetzt und mit vielen Akteuren die Strategie „LebensEnergieStadt“ entwickelt. Mehr als 20 Maßnahmen wurden dabei skizziert und teilweise weiterentwickelt. Im Zuge des im Januar 2020 beschlossenen Kohleausstiegsgesetzes und den Möglichkeiten der bereitgestellten Strukturfördermittel, wurde aus einer Strategie ein umsetzbarer Plan. Ergänzend werden in und um Hoyerswerda spannende Großprojekte in verschiedenen Forschungsbereichen umgesetzt, die einen Schub für die weitere Entwicklung geben werden.
Zu den aktuellen Projekten
Was sollen die einzelnen Projekte bringen?
Welche ökologischen Folgen hat der Braunkohleabbau in der Lausitz, insbesondere in Bezug auf Landschaftsveränderung, Wasserwirtschaft und Luftqualität?
Die drei Braunkohlekraftwerke in der Lausitz gehören zu den zehn emissionsintensivsten Industrieanlagen Europas. Der Kohleausstieg ist ein wichtiger Schritt, um Deutschlands Emissionsziele zu erreichen. Der damit verbundene Strukturwandel hat jedoch auch Auswirkungen auf die Landschaft und die Menschen in der Region.
Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/304334/strukturwandel-als-gelegenheit-fuer-die-lausitz/
Welche wirtschaftlichen Herausforderungen entstehen durch den Strukturwandel für die Region? Wie sind Arbeitsmarkt, lokale Wirtschaft und Infrastruktur betroffen?
Im Jahr 2020 waren in der deutschen Braunkohleindustrie noch etwa 20.000 Menschen beschäftigt. Die Lausitz verzeichnete zwischen 2000 und 2020 einen leichten Beschäftigungszuwachs im Braunkohlesektor, allerdings ist der Anteil der Braunkohlebeschäftigten an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Region gering.
Quelle: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/fachbeitraege/raumentwicklung/strukturwandel-braunkohlereviere/spannungsfeld-kohleausstieg-lausitz/01-start.html
Wie reagieren die lokale und nationale Politik sowie die Gesellschaft auf den Strukturwandel? Welche Strategien und Maßnahmen werden ergriffen?
Die Einstellungen in der Lausitz haben sich im Laufe der Debatten verändert. Während früher der Kohleausstieg grundsätzlich abgelehnt oder ein späteres Ausstiegsdatum gefordert wurde, besteht nun eine breitere Akzeptanz für das geplante Ausstiegsdatum 2038. Allerdings gibt es in der Lausitz weniger Unterstützung für den Kohleausstieg als im restlichen Deutschland.
Verweis auf Lausitz Monitor
Welche Visionen und Pläne gibt es für die zukünftige Entwicklung der Lausitz? Welche Branchen oder Technologien könnten den Strukturwandel positiv beeinflussen?
Es gibt bereits innovative Projekte und Ideen für die Zukunft der Lausitz, die den Strukturwandel positiv beeinflussen könnten. Beispiele sind die Entwicklung von Solarparks, Windrädern, Wasserstoffproduktion und Tourismus. Hoyerswerda setzt stark auf das Thema Forschung. Unter anderem wird mit dem Smart Mobility Lab der TU Dresden ein Forschungscampus errichtet, der zu einem überregionalen Innovationszentrum mit großem Wirtschaftspotential ausgebaut werden soll.
Welche Rolle spielen staatliche Fördermittel und private Investitionen im Strukturwandel der Lausitz? Wie wird die Verteilung und Verwendung dieser Mittel gesteuert?
Es gibt bereits innovative Projekte und Ideen für die Zukunft der Lausitz, die den Strukturwandel positiv beeinflussen könnten. Beispiele sind die Entwicklung von Solarparks, Windrädern, Wasserstoffproduktion und Tourismus. Hoyerswerda setzt stark auf das Thema Forschung. Unter anderem wird mit dem Smart Mobility Lab der TU Dresden ein Forschungscampus errichtet, der zu einem überregionalen Innovationszentrum mit großem Wirtschaftspotential ausgebaut werden soll.