Gedenkstein für Mike Zerna: Hoyerswerda erinnert an Opfer rechter Gewalt
Im Rahmen der Gedenkwoche „Hoyerswerda 1991“ wurde am 26. September in der Ziolkowskistraße ein Gedenkstein für Mike Zerna offiziell eingeweiht. Der Erinnerungsort befindet sich in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Clubs „Nachtasyl“. Dort war der damals 22-Jährige im Februar 1993 bei einem Angriff von Neonazis so schwer verletzt worden, dass er wenige Tage später im Krankenhaus verstarb.

Der Wunsch nach einem dauerhaften Erinnerungsort wuchs aus dem gemeinsamen Gedenken zum 30. Jahrestag der Tat im Jahr 2023. In enger Zusammenarbeit zwischen den Angehörigen, Zeitzeugen, der Opferberatung SUPPORT des RAA Sachsen e.V. sowie der Stadt Hoyerswerda wurde die Errichtung des Gedenksteins realisiert. An der feierlichen Einweihung nahmen über 40 Menschen teil, darunter die Mutter und der Bruder von Mike Zerna. Neben einer bewegenden Ansprache der Mutter wurden Berichte von Zeitzeugen verlesen, die das Geschehen rund um den Angriff auf das „Nachtasyl“ schilderten.
In seiner Rede betonte Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh, dass sich Hoyerswerda zwar intensiv mit den rassistischen Ausschreitungen vom September 1991 auseinandersetzt, die rechte Gewalt der Folgejahre und ihre Opfer jedoch lange Zeit zu wenig Beachtung fanden. Er verwies auf das gesellschaftliche und behördliche „Vakuum“ der 1990er-Jahre, in dem nicht rechtzeitig eingegriffen wurde und in dessen Folge im Umkreis von 50 Kilometern um Hoyerswerda mindestens sechs weitere Menschen durch rechte Gewalt ihr Leben verloren.
Besonders eindringlich wandte sich der Oberbürgermeister an die anwesenden Angehörigen: Im Namen der Stadt sprach er der Mutter und dem Bruder sein tiefes Mitgefühl aus und bat offiziell um Entschuldigung für das erlittene Leid. Er hob hervor, dass das Schicksal von Mike Zerna für die Stadt fortan als symbolisches Beispiel und Mahnmal dafür steht, was geschehen kann, wenn gesellschaftlicher Schutz fehlt und ein Vakuum zugelassen wird.
„Er ist ein Teil unserer Geschichte, und wir lernen aus dieser Geschichte“, erklärte der Oberbürgermeister. Die Stadt Hoyerswerda sieht den Gedenkstein als Verpflichtung: Das Schicksal von Mike Zerna soll aktiv in die schulische Bildungsarbeit integriert werden. Der Ort dient als bleibende Mahnung, aufmerksam hinzuhören, das demokratische Miteinander zu stärken und extremistischen Entwicklungen frühzeitig und entschieden entgegenzutreten.





