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Unternehmensbesuch Graf Moden am 20.05.2026

Traditionsgeschäft in der Altstadt sucht Nachfolger(in)

Am 20.05.2026 besuchte Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh zusammen mit dem Leiter der Wirtschaftsförderung, Christian Hoffmann, das Geschäft Graf Moden in der Hoyerswerdaer Altstadt, um mit Inhaberin Evelin Graf näher ins Gespräch zu kommen. Über 35 Jahre lang hat die Unternehmerin ihr eigenes Modegeschäft geleitet und dabei nicht nur Trends gesetzt, sondern auch Generationen von Kundinnen und Kunden inspiriert.

Bevor Evelin Graf ihrer eigentlichen Leidenschaft, der Liebe zur Mode nachging, lernte sie zu DDR-Zeiten Industriekauffrau und Facharbeiterin für Daten­verarbeitung, arbeitete im Bau- und Montagekombinat BMK, war dort technisch-ökonomische Mitarbeiterin und später Objektleiterin des Waldbades Zeißig. Kurz nach der Wende 1990/91 mietete sie über die Wohnungsgesellschaft die Ladenflächen in der Friedrichsstraße an und begann, ihr eigenes Modegeschäft aufzubauen. 2001 kam die obere Etage dazu und das Sortiment am Standort in der Altstadt wurde um Herrenmode erweitert.

Zwischen­zeitlich hatte die Unternehmerin fünf Geschäfte – im Lausitz-Center, in der Bonhoefferstraße und Friedrichstraße in Hoyerswerda, in Görlitz und in Bernsdorf – sowie ein Café in der Grünewaldpassage. Ihre Waren für das Geschäft „More & More“ im Lausitz-Center bezog sie direkt aus den Herkunftsländern, reiste selbst nach Italien und Frankreich und erhielt Einladungen zu Modeschauen in Paris.  „Die Familie hat mich eigentlich nur noch zum Schlafen gesehen“, fasst Evelin Graf diese intensive Zeit zusammen.

Das Wissen, wie man ein Unternehmen aufbaut, hat sie sich nach der Wende durch Weiterbildungen und Workshops beim RKW angeeignet, hat Menschen kennengelernt, die sie auf ihrem Weg in die Existenzgründung unterstützten. Später war sie aufgrund ihrer umfangreichen Erfahrungen viele Jahre bei der KfW als Unternehmensberaterin gelistet.

In den letzten Jahren reifte der Entschluss, die unternehmerische Tätigkeit zu beenden. Seit einigen Wochen läuft der Abverkauf, der wiederum neue Kundinnen und Kunden in den Laden lockt. Diese sind begeistert aufgrund des außergewöhnlichen Sortiments, denn viele Artikel sucht man anderswo vergebens. Evelin Graf bedankt sich bei den Kunden für die Mund-Propaganda: „Die Menschen machen für mich untereinander unendlich viel Werbung. Sie unterstützen mich beim Abverkauf von Herzen und ich bin für diese wohlwollende Unterstützung dankbar.“

Evelin Graf würde sich wünschen, das Geschäft übergeben zu können. Was der- oder diejenige(n) daraus machen, bleibt ihnen überlassen. Viel wichtiger ist ihr, dass das Geschäft nicht leer steht und die Altstadt belebt bleibt. Wenn sich motivierte Leute finden, können diese gern auch etwas Kreatives umsetzen. Sie denkt an Großstädte: „Dort tun sich junge Leute erfolgreich zusammen, kombinieren verschiedene Ideen, wie Mode, Möbel, Kunst und Gastronomie und nutzen in den Altstädten die Hinterhöfe mit.“

Die Räumlichkeiten in der Friedrichsstraße lassen vielfältige Möglichkeiten zu, denn zum Laden gehören Verkaufsflächen auf zwei Etagen von jeweils ca. 80 qm sowie mehrere Räume im hinteren Bereich des Ladens. Zudem bietet Evelin Graf dem potenziellen Nachfolger ihre Unterstützung an, sofern diese gewünscht ist. In Sachen Mode hat sie sehr gute Kontakte, bringt reichlich Erfahrung als Selbstständige sowie ein umfangreiches Netzwerk mit. Auch in Sachen Ausgestaltung des Mietvertrages mit der Wohnungsgesellschaft bringt sie sich gern ein.  

Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh zeigt sich beeindruckt vom unermüdlichen Engagement einer Geschäftsfrau, die mit vielen Herausforderungen und Erfolgen umzugehen wusste. Gleichzeitig stellt er fest: „Wer das Geschäft übernimmt oder mit einer eigenen Geschäftsidee kommt, hätte einen einfacheren Einstieg. Er würde vom Renommee des Modegeschäfts profitieren und würde auf Wunsch die Unterstützung einer erfahrenen Geschäftsfrau erhalten.“

Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt Hoyerswerda steht mit Rat und Tat zur Seite. „Durch Unternehmensbesuche und persönliche Kontakte konnten wir Bestandsunternehmen bereits bei kleineren wie größeren Problemen unterstützen und auf diese Weise schon viel Hilfe leisten“, fasst der Rathauschef zusammen.

 

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