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Hoyerswerda

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Geschichte – Stawizna

Auch wenn manch einer mit der Historie Hoyerswerdas nur die Neustadt verbindet, kann unsere Stadt doch auf eine viele Jahrhunderte umfassende, wechselvolle Geschichte zurückblicken. Hier ein kurzer geschichtlicher Exkurs:

  1. um 1200
    1.1.1200

    Unser Gebiet stand unter böhmischer Herrschaft. Erst in dieser Zeit wurde die Gegend um Hoyerswerda von Süden aus wieder urbar gemacht. Im folgenden Jahrhundert entstanden zahlreiche Ansiedlungen, zunächst als sorbische Gründungen, später wurden sie mit deutschen Dörfern und Stadtanlagen durchsetzt.

     

  2. Ersterwähnung
    1.5.1268

    Am 1. Mai 1268 beurkundete Markgraf Otto von Brandenburg die Teilung der Oberlausitz in das Land Budissin (Bautzen) und das Land Görlitz. Beiden Ländern wurde ein Teil der Herrschaft Hoyerswerda zugesprochen. In dieser Urkunde wurde Hoyerswerda erstmals schriftlich erwähnt.

  3. Graf Hoyer von Vredeberg
    1.1.1272

    Graf Hoyer von Vredeberg (auch Friedeburg) wird als Besitzer der Herrschaft Hoyerswerda erwähnt. Er hatte sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts hier eine Wasserburg erbauen lassen. Hoyer von Vredeberg kommt auch als mutmaßlicher Gründer von Hoyerswerda in Betracht.

  4. Marktrecht
    14.5.1371

    Am 14. Mai verlieh Kaiser Karl IV. Hoyerswerda das Marktrecht.

  5. Stadtrechte
    19.12.1423

    Am 19. Dezember verlieh Heinrich von der Duba Hoyerswerda die Stadtrechte. Die Bürger nahmen das Wappenzeichen der Herren von der Duba (deutsch: von der Eiche) in ihr Stadtwappen auf. Das älteste bekannte Siegel aus dem 16. Jahrhundert zeigt drei Eichenbäume und die Inschrift „Insignia civium in Hoierschwerda“.

  6. Reformation
    14.6.1540

    Am 24. Juni hielt Basilius Laurentius am Tage Johannes des Täufers den ersten evangelischen Gottesdienst in der Stadtkirche von Hoyerswerda. Dieser Tag gilt als Beginn der Reformation für die Stadt und die Standesherrschaft Hoyerswerda.

  7. Seyfried von Promnitz
    1.1.1589

    Seyfried von Promnitz ließ das Schloss als dreigeschossigen Renaissancebau nach einem Brand im Jahre 1589 wieder errichten.

  8. Standesherrschaft
    1.1.1635

    Im Prager Frieden (30. Mai) wurde den sächsischen Kurfürsten die Ober- und Niederlausitz erb- und eigentümlich zugesprochen. Von da an gehörte die Standesherrschaft Hoyerswerda bis 1815 zu Sachsen.

  9. Kurfürst Johann Georg I
    1.1.1651

    Der sächsische Kurfürst Johann Georg I. kaufte Schloss und Herrschaft Hoyerswerda mit 27 Dörfern, sieben Vorwerken, neun Schäfereien, 17 Heiden, zehn Mühlen, 170 Maltern Ackerbau und 51 Teichen.

  10. Ursula Katharina von Teschen
    1.1.1705

    Die Herzogin und Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen, eine Mätresse von August dem Starken, begann ihre 32-jährige Herrschaftszeit in Hoyerswerda. Als Pfand für 250.000 Reichstaler, die sie August dem Starken geliehen hatte, erhielt sie die Herrschaft am 17. Februar zuerst als Pfand und am 20. Juli erb- und eigentümlich zugesprochen. Am 10. April traf Ursula Katharina von Teschen erstmals in Hoyerswerda ein.

  11. Schlossgarten
    1.1.1727

    Die Fürstin von Teschen ließ das Schloss umbauen und zum „würdigen Fürstensitz“ gestalten. Ein Schlossgarten wurde angelegt.

  12. Kurfürst Friedrich August II
    1.1.1737

    Die Fürstin von Teschen verkaufte die Herrschaft Hoyerswerda an Kurfürst Friedrich August II. Nun gehörten zur Herrschaft: 36 zinspflichtige Dörfer, 11 Vorwerke, 10 Domänenmühlen, 15 Erbzinsmühlen, zwei Weinberge in Nardt und in Neida und 64 Teiche.

  13. Schloss
    1.1.1781

    Das Schloss ging in öffentliches Eigentum über und verschiedene Ämter zogen ein: das Königliche Steueramt, das Königliche Domänen-Rentamt, die Königliche Kreisgerichtsdeputation, die Königliche Oberförsterei, das Salzmagazin und später das Königliche Amtsgerichtsgefängnis.

  14. preußische Verwaltung
    1.1.1815

    Der Wiener Kongress brachte entscheidende Veränderungen in den Verwaltungsstrukturen der Oberlausitz und damit auch für Hoyerswerda. Infolge des Friedensvertrages zwischen Sachsen und Preußen musste König Friedrich August I., König von Sachsen, in die Teilung seines Königreiches einwilligen und die gesamte Niederlausitz und Teile der Oberlausitz an Preußen abtreten. Damit geriet Hoyerswerda nach 180 Jahren sächsischer Herrschaft unter preußische Verwaltung.

    Das neue Verwaltungssystem sah die Bildung von Landkreisen vor. Erst 1825 wurde der Spremberg- Hoyerswerdaer Kreis geteilt und Hoyerswerda als eigenständiger Kreis der Provinz Schlesien und dort dem Regierungsbezirk Liegnitz zugeordnet.

  15. „Probezug“
    23.5.1873

    Am 23. Mai fuhr der erste „Probezug“ aus Richtung Ruhland in Hoyerswerda ein. Damit war die wichtigste Voraussetzung für die wirtschaftliche Erschließung der Gegend um Hoyerswerda geschaffen. Hoyerswerda besaß nun eine Verbindung zum Land Preußen, nach Sachsen und nach Niederschlesien. Die neuen Verkehrsmöglichkeiten beschleunigten die Entwicklung neuer Gewerbezweige wie Glasindustrie und Braunkohlenbergbau.

  16. 1887/ 1888
    1.1.1887

    Der Berliner Industrielle Joseph Werminghoff gründete 1887 die Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG. Ein Jahr später folgte der Berliner Kommerzienrat Dr. Hugo Kunheim mit der Gründung der ILSE-Bergbau-Actien-Gesellschaft. Beide Unternehmen konkurrierten um den ersten Platz im Lausitzer Braunkohlenrevier. In den Folgejahren erwarben die ILSE und die Eintracht zunehmend Land in der Gegend um Hoyerswerda und errichteten Braunkohlengruben, Kraftwerke und Brikettfabriken. Dadurch stieg in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die Einwohnerzahl von Hoyerswerda deutlich an.

  17. Domowina
    13.10.1912

    Am 13. Oktober wurde im Hoyerswerdaer Gesellschaftshaus die Domowina gegründet.

  18. Konrad Zuse
    1.8.1928

    Konrad Zuse, geboren am 22. Juni 1910, Sohn des Oberpostinspektors Emil Zuse, legte am Reform-Realgymnasium Hoyerswerda sein Abitur ab. Im August zog er nach Berlin, um an der Technischen Hochschule sein Ingenieurstudium zu beginnen.

  19. Lager Elsterhorst
    1.1.1938

    Zwischen Hoyerswerda und Nardt wurde das „Lager Elsterhorst“ errichtet, das ab 1939 als Kriegsgefangenen-, Quarantäne- und dann bis 1947 als Vertriebenenlager genutzt wurde.

  20. 2. Weltkrieg
    9.7.1945

    Auch Hoyerswerda wurde vom 2. Weltkrieg nicht verschont. Bombenangriff, Artilleriebeschuss und Brandschatzungen verursachten große Vernichtungen und Beschädigungen. Am 20. April erfolgte die Besetzung der Stadt durch die Sowjetarmee.

    Am 9. Juli kam der westlich der neuen Grenze gelegene Teil der Oberlausitz und damit das bisher zu Schlesien gehörige Hoyerswerda zum Land Sachsen zurück, da die preußische Provinz Schlesien ein Teil Polens wurde.

  21. Bildung von Bezirken
    1.1.1952

    Mit der Verwaltungsreform und der damit einhergehenden Bildung von Bezirken wurde der Kreis Hoyerswerda dem Bezirk Cottbus als Kohle- und Energiezentrum zugeordnet. Gleichzeitig wurden die Kreisgrenzen verändert.

  22. 1954 bis 1957
    1.1.1954

    Im April 1954 beschloss der IV. Parteitag der SED den Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe zur Erschließung, Nutzung und Veredelung der hier vorhandenen Braunkohlevorkommen. 1955 folgte der Beschluss des Ministerrates der DDR, im Rahmen des Kohle- und Energieprogramms im Raum Spremberg-Hoyerswerda ein Braunkohlenveredelungskombinat zur Erzeugung von Briketts, Stadtgas und Koks zu errichten und neue, größere Tagebaue aufzuschließen. In den Folgejahren wurden drei Brikettfabriken, drei Kraftwerke, ein Gaswerk, eine Kokerei und weitere Anlagen auf einer Fläche von zwölf Quadratkilometern gebaut.

    Die benötigten Arbeitskräfte sollten konzentriert in einer neu zu errichtenden Stadt angesiedelt werden. Hoyerswerda wurde als ökonomisch, städtebaulich und funktionell optimaler Standort für die neue Stadt ausgewählt.

    1955 wurde zunächst eine Erweiterung der Stadt in den Bereichen des Bahnhofsvorplatzes, des Westrandes und am Elsterbogen in Angriff genommen. Am 31. August erfolgte dazu in der August-Bebel-Straße Nr. 16 die Grundsteinlegung zum Ausbau der Stadt Hoyerswerda zur „2. Sozialistischen Wohnstadt der DDR“.

    Am 15. Juni 1957 erfolgte in der heutigen Otto-Damerau-Straße die Grundsteinlegung für die Neustadt von Hoyerswerda. Ab 1959 kam dabei die Großplattenbauweise zum Einsatz. Seit dieser Zeit entstanden zehn Wohnkomplexe im industriellen Wohnungsbau, in denen bis zum Ende der DDR 90 % der Einwohner Hoyerswerdas lebten.

  23. 71.540
    1.1.1981

    Die Einwohnerzahl Hoyerswerdas erreichte mit 71.540 den Höchststand.

  24. Haus der Berg- und Energiearbeiter
    1.1.1984

    Das „Haus der Berg- und Energiearbeiter“, die heutige Lausitzhalle, wurde nach achtjähriger Bauzeit feierlich eröffnet. Bauherr und Betreiber war das Kombinat Schwarze Pumpe.

  25. Demonstration
    30.10.1989

    Am 30. Oktober führte eine Demonstration von 10.000 Hoyerswerdaer Bürgern vom Martin-Luther-King-Haus ins Stadtzentrum. Durch die Bürgermeisterin, Christel Rudolph, und den Vorsitzenden des Rates des Kreises, Heinz Auerswald, erfolgten Dialogangebote. Am 4. November fand das erste „Hoyerswerdaer Stadtgespräch“ im Jugendklubhaus statt. Beide trafen sich schließlich am 20. Dezember mit Vertretern aller Parteien, des Neuen Forums, und der Kirchen zum ersten Runden Tisch im Martin-Luther- King-Haus. Die Leitung hatte Superintendent Friedhart Vogel übernommen. Der Runde Tisch diente der Verständigung der politischen Kräfte und gab Empfehlungen an den Rat des Kreises und den Rat der Stadt.

  26. Demonstration
    15.1.1990

    Am 15. Januar forderten 3.000 Bürger der Kreisstadt auf einer Demonstration die Auflösung der SED und die Abwendung vom Sozialismus. Schwarz-rot-goldene Fahnen ohne Emblem wurden mitgeführt.

    Im April initiierte der Runde Tisch eine Postkartenbefragung der Bevölkerung des Kreises Hoyerswerda über die künftige Länderzugehörigkeit. Das Ergebnis war eine eindeutige Entscheidung für Sachsen, die der Kreistag am 18. Juni und die Volkskammer am 22. Juli bestätigten.

    Mit der zehnten Beratung des Runden Tisches am 9. Mai wurde dessen Tätigkeit eingestellt. Sein Ziel, in der Zeit der politischen Wende die Kreis- und Stadtverwaltung am Laufen zu halten und kritische Situationen zu vermeiden, konnte erreicht werden.

  27. Ausschreitungen
    17.9.1991

    Vom 17. bis zum 23. September fanden in Hoyerswerda ausländerfeindliche Ausschreitungen gegen Vertragsarbeiter und Asylbewerber statt, bei denen Ausländerwohnheime angegriffen wurden, die infolge evakuiert wurden.

  28. Eingemeindung
    1.1.1993

    Mit der Eingemeindung der Ortsteile Bröthen/Michalken, Knappenrode, Schwarzkollm, Zeißig und Dörgenhausen vergrößerte sich die Stadt (Zeitraum 1993 – 1998).

  29. kreisfreie Stadt
    1.1.1996

    Am 1. Januar wurde Hoyerswerda kreisfreie Stadt. Im ehemaligen Landratsamt wurden zum 31. Dezember 1995 die Dezernate aufgelöst und deren Aufgaben vom Kamenzer Landratsamt übernommen.

  30. Planungen zur Reduzierung des Wohnungsbestandes
    1.1.1997

    1997 begannen die Planungen zur Reduzierung des Wohnungsbestandes, da sich die Anzahl der Einwohner aufgrund hoher Arbeitslosigkeit (23,1 %) rasant verringerte. 1999 verabschiedete der Stadtrat schließlich das städtebauliche Entwicklungskonzept 2030. Es sah Teilrückbau und Abriss von Plattenbauten ebenso vor, wie die Schaffung neuer Wohnqualitäten und Freiräume.

  31. INSEK
    1.1.2001

    In den Wohnkomplexen VIII, IX und X begann der Abriss. Im 2003 beschlossenen Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK) wurde der Rückbau von 8500 Wohneinheiten bis zum Jahr 2015 vorgesehen. Sukzessive erfolgte auch die Anpassung der technischen Infrastruktur in den Jahren 2003 bis 2009.

  32. Krabat
    1.1.2006

    Im Koselbruch Schwarzkollm beginnt – orientiert am historischen Schauplatz – eine Erlebniswelt rund um die Sagenfigur „Krabat“ zu entstehen. Die ersten Gebäude waren 2008 das Gesindehaus und der Laubengang. 2009 kam die „Schwarze Mühle“ dazu. In den folgenden Jahren wurden weitere denkmalgeschützte Gebäude hierhin umgesetzt und das Mühlenensemble erweitert.

  33. Neue Freiräume für Hoyerswerda
    1.1.2008

    Das INSEK wird fortgeschrieben und das Konzept „Neue Freiräume für Hoyerswerda“ beschlossen. Es ist die Grundlage für Gestaltung der durch den Rückbau entstandenen Freiflächen.

  34. Große Kreisstadt
    1.8.2008

    Am 1. August verlor Hoyerswerda die Kreisfreiheit und wurde Große Kreisstadt im Landkreis Bautzen. In Hoyerswerda lebten 38.817 Einwohner.

  35. 2009/2010
    28.7.2009

    Die Lausitzhalle wird umfangreich umgebaut. Über ein Jahr dauern die Bauarbeiten am Bauteil II an, bevor Volkshochschule und Musikschule einziehen können. Am 28.07.2010 kann die Wiedereröffnung gefeiert werden. Zuvor wurde das Gebäude umfangreich analysiert und entsprechende Maßnahmen und Nutzungsvorschläge erarbeitet.

  36. Ort der Vielfalt
    1.1.2010

    Hoyerswerda wurde in Berlin mit dem Titel „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet. Dieser Titel wird an Kommunen verliehen, die die sich gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit engagieren.

  37. Zentralpark
    22.7.2011

    Am 22. Juli wird der Zentralpark der Bürgerschaft zur Nutzung übergeben. Bis 2004 stand hier die Hochhauszeile „Stadtpromenade 1-10“. Der Skulpturenpark mit Figuren des 1. Internationalen Bildhauersymposiums  von 1975 an der Albert-Einstein-Straße ist ein weiteres Beispiel für die Nachnutzung frei gewordener Flächen.

  38. IRLS
    1.1.2013

    Die Integrierte Regionalleitstelle Ostsachsen (IRLS) geht am Standort der Feuerwache in Betrieb. Seit September gehen alle Notrufe für Feuerwehr und Rettungsdienst aus dem Leitstellenbereich Hoyerswerda hier ein.

  39. Bürgerzentrum Braugasse 1
    1.1.2015

    In diesem Jahr eröffnete das Bürgerzentrum Braugasse 1. Es ist das gute Ende einer jahrelangen Diskussion zum Umbau und zur Modernisierung sowie zur Finanzierung und zukünftigen Nutzung des Hauses. Heute ist das Bürgerzentrum wieder ein beliebtes Kulturzentrum im Herzen der Altstadt.

  40. 2017
    1.1.2017

    Mit dem Wiederaufbau eines Wohnhauses aus Dubring als Schauwerkstatt „Jurij Brězan“ ist das vorerst letzte Haus errichtet worden. Die feierliche Eröffnung fand am 13. April statt.

    Mit den letzten Arbeiten zur Hindernisbeseitigung kann der zur Zwischennutzung Baden genehmigte Strandabschnitt am Westufer des Scheibe-Sees der Öffentlichkeit übergeben werden. Die genehmigte Badesaison läuft zunächst bis Ende Oktober.

  41. 2018
    1.1.2018

    Die urkundliche Ersterwähnung von Hoyerswerda jährt sich zum 750. Mal (1268 – 2018). Dieses besondere Jubiläum wurde als ganzes Festjahr mit 75 Veranstaltungen und Aktionen sowie 2 Festwochenenden begangen. In diesem Rahmen wurden auch 30 Jahre Städtepartnerschaft mit Dillingen/ Saar und 20 Jahre Partnerschaft mit der finnischen Stadt Huittinen gewürdigt.

Entstehung und Entwicklung bis ins Mittelalter

Archäologische Funde aus der mittleren und jüngeren Steinzeit, der Bronzezeit und der vorrömischen Eisenzeit weisen auf größere Siedlungsareale in frühester Zeit hin. Seit dem Ende der germanischen Besiedlung im 4. Jahrhundert bis zum 12. Jahrhundert blieb unser Gebiet unbewohnt. Erst vom Ende des 12./Anfang des 13. Jahrhunderts liegen wieder keramische Funde vor, die auf einen gemeinsamen Landausbau durch deutsche und sorbische Siedler hinweisen.

1776 Hoyerswerda

In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ließen sich deutsche Siedler hier eine Wasserburg erbauen. Es ist anzunehmen, dass mit der Burg die Keime einer Ansiedlung entstanden. Die älteste bekannte Quelle stammt aus dem Jahre 1268, als Hoyerswerda in einer Teilungsurkunde des Markgrafen von Brandenburg erwähnt wird. In einer Urkunde aus dem Jahre 1272 wird Hoyer von Vredeberg als Besitzer der Burg genannt. Er kommt auch als mutmaßlicher Gründer und Namenspatron der Stadt in Betracht.

Schnell entwickelte sich die Burg zu einer Grenzfeste zwischen Böhmen – viele Jahrhunderte Besitzer der Herrschaft Hoyerswerda – und Brandenburg. In rascher Folge wechselten die Besitzer. Die Ansiedlung erfuhr einen gewissen Aufschwung. 1371 verlieh Kaiser Karl IV. Hoyerswerda das Marktrecht. 1423 wurde Hoyerswerda von einem Herrn von Duba das Stadtrecht erteilt.

Im zweisprachigen Gebiet der Lausitz lautet der sorbische Name „Wojerecy“.

Die folgenden Jahrhunderte verliefen turbulent. Erste größere Auseinandersetzungen entstanden 1467/68, als die Hoyerswerdaer Burg – Zufluchtsort der Hussitenanhänger in der Lausitz – von den Truppen des Sechsstädtebundes belagert und schließlich vollständig zerstört wurde. Weitere Turbulenzen gab es mit den Bauernunruhen 1525 – 1527 und der Einführung der Reformation im Jahre 1540. Der ehemalige Mönch Basilius Laurentius hielt den ersten evangelischen Gottesdienst.

30-jähriger Krieg und das Wirken von Ursula Katharina von Teschen

Der dreißigjährige Krieg beeinflusste die Geschicke der Stadt. Von großen militärischen Auseinandersetzungen blieb sie zwar verschont, der wechselweise Durchmarsch von Truppen der katholischen kaiserlichen Liga und der protestantischen Union brachte jedoch starke Belastungen für die Bevölkerung: Einquartierungen, Plünderungen, Brandschatzungen, Teuerungen und Seuchen…. Das politisch wichtigste Ergebnis für Hoyerswerda war der Prager Friedensschluss von 1635, durch den beide Lausitzen und somit auch Hoyerswerda zum Kurfürstentum Sachsen kamen.

Schloss 1787
Schloss 1787

1705 begann die 32-jährige Herrschaftszeit der Herzogin und Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen. War Hoyerswerda bis dahin ein kleines, unbedeutendes Städtchen, das durch die Kriege und Stadtbrände immer wieder in seiner Entwicklung zurückgeworfen wurde, so erfuhr es jetzt einen großen Aufschwung. Das Schloss wurde mit viel Aufwand umgebaut. Um die nötigen Einkünfte zu erzielen, förderte die Fürstin in großzügiger Weise das Handwerk in Hoyerswerda. Durch die kluge Verwaltungspolitik der Teschen hatte sich Hoyerswerda zu einem blühenden Handwerkerstädtchen entwickelt.

Marktplatz um 1840
Marktplatz um 1840

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zogen erneut Truppen durch die Stadt. Die Napoleonischen Kriege berührten Hoyerswerda und hinterließen manche Wunde. Nach den Beschlüssen des Wiener Kongresses von 1815 fiel Hoyerswerda an das Königreich Preußen. Es wurde zunächst ein gemeinsamer Kreis Spremberg / Hoyerswerda gebildet, der zum Regierungsbezirk Frankfurt/Oder gehörte. 1825 wurde Hoyerswswerda als selbständiger Kreis der Provinzialverwaltung Liegnitz zugeordnet.

Industrialisierung und Aufschwung im 19./20. Jahrhundert

Der industrielle Aufschwung begann im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Eisenbahn, Glasindustrie und Braunkohlenbergbau sorgten für eine rasche Entwicklung. Die Stadt wurde erweitert, die Bevölkerung stieg von 2.300 im Jahre 1850 auf 6.000 im Jahre 1910.

Luftbild um das Jahr 1940
Luftbild um das Jahr 1940

Zum Ende des zweiten Weltkrieges wurde Hoyerswerda zur Festung erklärt. Durch Artilleriebeschuss und willkürlich gelegte Brände wurden 40 Prozent des Stadtkerns zerstört. Hoyerswerda hatte zu dieser Zeit etwa 7.000 Einwohner.

In den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts bahnten sich große Veränderungen an. Der Kreis Hoyerswerda wurde dem Kohle- und Energiebezirk Cottbus zugeordnet. Im Juni 1955 beschloss der Ministerrat den Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe. In diesem Großbetrieb sollten künftig die reichen Braunkohlevorkommen der Lausitz veredelt werden. Das Werk war der Haupt-Gaslieferant für den Osten Deutschlands. Die dafür benötigten Arbeitskräfte sollten konzentriert in einer neu zu errichtenden Stadt angesiedelt werden. Hoyerswerda wurde als verkehrstechnisch, lufthygienisch und städtebaulich optimaler Standort gewählt.

In der Anfangsphase hatte man eine Stadt mit 38.000 Einwohnern ins Auge gefasst, für die am 31. August 1955 die Grundsteinlegung stattfand – zeitgleich mit dem ersten Spatenstich für das Kombinat. Nach ersten Erweiterungen am Rande der Kleinstadt begann man im Juni 1957 mit dem Aufbau einer völlig neuen Stadt jenseits der Schwarzen Elster. Vorgesehen waren sieben Wohnkomplexe und ein neues Stadtzentrum. Ab Mitte der 1960er-Jahre wurde klar, dass die Stadt entgegen früheren Prognosen mehr Menschen aufnehmen musste. Lebten 1960 noch 24.549 Einwohner in Hoyerswerda, waren es 1963 bereits 34.095 und 1968 schon 53.472. Der Höchststand wurde 1981 mit fast 72.000 Menschen erreicht. Bis Ende der 1980er-Jahre entstanden zehn Wohnkomplexe und das Stadtzentrum.

Eine Umfrage des runden Tisches im Jahr 1990 wurde zur Grundlage für die Entscheidung der Zugehörigkeit der Stadt Hoyerswerda zum Freistaat Sachsen. In den nächsten Jahren durchlebte die Region um Hoyerswerda einen gewaltigen Strukturwandel. Mit dem Zusammenbruch der bestimmenden Monoindustrie – Bergbau- und Energiewirtschaft – ergaben sich in der Lausitz einschneidende Veränderungen. In der Region sind 100.000 bis 150.000 Arbeitsplätze in allen Bereichen regelrecht verschwunden. Sie wurden nur ansatzweise kompensiert. Dieser Umstand brachte eine hohe Arbeitslosenquote und eine hohe Abwanderungsrate mit sich (46% der Einwohner). Seit 1999 werden die zahlreichen leerstehenden Plattenbauten in der Neustadt zurückgebaut.

Bis 1995 war Hoyerswerda Kreisstadt des Landkreises Hoyerswerda, nach dessen Auflösung erhielt sie am 1. Januar 1996 den Status einer kreisfreien Stadt.

Das Stadtgebiet wurde durch die Eingemeindungen der Ortsteile Bröthen/Michalken (1. Juni 1993), Knappenrode (1. Januar 1994), Schwarzkollm (1. Januar 1996), Zeißig (1. Januar 1996) und Dörgenhausen (1. Juli 1998) vergrößert, dennoch sank die Einwohnerzahl weiter.

Seit dem 1. August 2008 gehört Hoyerswerda nach der Verwaltungs- und Funktionalreform des Freistaates Sachsen zum Landkreis Bautzen, mit dem Status einer Großen Kreisstadt.

Entstehung von Europas größter künstlicher Wasserlandschaft und Deutschlands viertgrößtem Seengebiet

Die ehemaligen Tagebaurestlöcher wurden bzw. werden geflutet, die Landschaft großzügig umgestaltet. Vor den Toren der Stadt entwickelt sich das Lausitzer Seenland. Neben den bereits seit vielen Jahren beliebten Senftenberger-, Knappen- und Silbersee sind an der Ländergrenze zu Brandenburg neue Seen entstanden, die zum Teil durch schiffbare Kanäle miteinander verbunden sind. Künftig soll diese Region einmal Europas größte künstliche Wasserlandschaft und Deutschlands viertgrößtes Seengebiet sein.

Stadtstadtwappenwappen

Im Wappen der Stadt, aber auch im ältesten noch bekannten Stadtsiegel mit der Umschrift „INSINGNIA CIVIVM IN HOIERSCHWERDA“ sind drei Eichen zu sehen, die offensichtlich an die Herrschaft eines Freiherrn von der Duba erinnern und auf diese zurückgehen (slawisch „Dub“ – Eiche). Ein Freiherr von der Duba erteilte am 19. Dezember 1423 Hoyerswerda das Stadtrecht. Die Bürger nahmen das Zeichen der Herren von der Duba, die Eichenzweige, in ihr Stadtwappen auf.

Die Legende besagt, dass im Jahr 1003 ein böhmisches Jäger namens Howoran seinem Herrn, Herzog Jaromir von Böhmen, das Leben rettete und als Dank dafür von diesem zum Großjägermeister ernannt und – mit Bewilligung Kaiser Heinrich II. – sowohl mit einem Wappen, das zwei fünfknotige Eichenzweige kreuzweise im silbernen Felde zeigt, als auch mit einem Lehnsgut bedacht wurde, auf dem Howoran dann das zukünftige Hoyerswerda gründete.

Das Neue Hoyerswerda

Auf der Grundlage langjähriger vorhergehender Untersuchungen zur Sicherung und Erweiterung der Rohstoffbasis der DDR und der intensiven Nutzung und Veredlung der hochwertigen Rohbraunkohle im Lausitzer Revier (relativ geringer Schwefel- und Aschegehalt) beschloss der Ministerrat der DDR am 23. Juni 1955 den Aufbau des Braunkohleveredlungskombinates „Schwarze Pumpe“ in der Trattendorfer Heide, unmittelbar beim Ortsteil Schwarze Pumpe der Gemeinde Terpe, Kreis Spremberg.

Zugleich wurde die Entscheidung getroffen, die nur 15 Kilometer entfernt – und außerhalb der „Dunstfahne“ des zukünftigen Kombinates – liegende Stadt Hoyerswerda baulich so zu erweitern, dass sie als zweite „sozialistische Wohnstadt“ (nach Eisenhüttenstadt) den zukünftig mehreren Tausend Beschäftigten des Kombinates entsprechende Wohn- und Lebensbedingungen bieten sollte. Diese enge Verknüpfung von Werk und Stadt zeigte sich bereits am 31. August 1955. In den Vormittagsstunden wurde der symbolische „Erste Spatenstich“ zum Aufbau des Kombinates Schwarze Pumpe vollzogen, am Nachmittag erfolgte die Grundsteinlegung für den Aufbau des neuen Hoyerswerda im Bereich des Bahnhofs der damals rund 7000 Einwohner zählenden Stadt.

Das rasch wachsende Braunkohlenveredlungskombinat diktierte auch das Bautempo für Hoyerswerda. Am 15. Juni 1957 erfolgte östlich des Schwarze-Elster-Kanals die offizielle Grundsteinlegung für den ersten Wohnblock in „Hoyerswerda-Neustadt“. Der Aufbau der Stadt ging einher mit der Suche nach immer rationelleren Baumethoden, insbesondere für Wohnungen. Hoyerswerda wurde sozusagen zum „Experimentierfeld“ auf diesem Gebiet. Hier wurde erstmals in der ehemaligen DDR der industrielle Wohnungsbau in der Plattenbauweise praktiziert.

Chronik der Hoyerswerdaer Wohngebiete

Der Bahnhofsvorplatz

Mit der Grundsteinlegung für das Haus Bebelstraße 16a in der Nähe des Bahnhofs begann am 31. August 1955 der Aufbau des neuen Hoyerswerda.

Bis 1958 entstanden hier die Wohnblocks in Ziegelbauweise. Am Bahnhofsvorplatz gesellte sich ein kleines Geschäftszentrum mit Läden, Dienstleistungseinrichtungen und einer Gaststätte dazu. Die Geschäfte firmierten im zweisprachigen Gebiet der Lausitz hier nicht deutsch und sorbisch, sondern über den Schaufenstern waren entsprechende Piktogramme angebracht, die nachts neonbeleuchtet waren.

Das bauliche Ensemble wurde 1970 mit einem dreigeschossigen Eckgebäude in Großblockbauweise geschlossen.

Bahnhofsvorplatz um 1955
Bahnhofsvorplatz um 1958

Die Westrandbebauung

Von 1956 bis 1957 entstand das zweite neue Wohngebiet im Altstadtbereich – erstmals mit allen notwendigen Nachfolgeeinrichtungen wie Läden, Kinderkrippe und -garten, Gaststätte, Schule, Kulturhaus und Sportanlagen.

Die Wohnhäuser wurden als verputzte Ziegelbauten mit Walmdächern errichtet. Zur Bauzeitverkürzung kamen später vorgefertigte gemauerte Ziegelgroßblöcke zum Einsatz. Auch hier befinden sich zwischen den Blöcken Grünanlagen mit Spielplätzen.

Bemerkenswert ist der bildkünstlerische Schmuck der Wohnbauten mit Flieseneinlegearbeiten und Sgrafittis. Fantasievolle Balkongeländer und Fenstergitter zieren ebenso die Häuser. Dieser Stadtteil entstand in der historischen kurzen Zeit zwischen Bauten a la Stalinallee in Berlin und der Industrialisierung des Wohnungsbaus.

Platz „An der Taube" um 1957
Platz „An der Taube“ um 1957

Der Elsterbogen

Das Wohngebiet am Elsterbogen in der Altstadt wurde in drei Bauetappen errichtet. 1958 entstanden im westlichen Teil des Gebietes dreigeschossige Gebäude in Ziegelbauweise. 1961 und zwischen 1963 und 1965 folgten weitere Bauabschnitte, in deren Verlauf vor allem viergeschossige Wohnblöcke in Großblockbauweise, eine Kaufhalle, Kindereinrichtungen und eine Schule gebaut wurden. Ab 1987 wurden in einem Teil der Wohnblöcke Dachgeschosswohnungen ausgebaut.

Auf dem Foto ist ein Sgrafittobild an einem der Wohnhausgiebel zu sehen. Der 1974 geschaffene Brunnen an der Kreuzung B 96/B 97 hieß wegen seiner Gestaltungsform bereits zu DDR-Zeiten im Volksmund „ZDF-Brunnen“.

Das Geländer der Brücke über den Schwarze-Elster-Kanal ist eine Kunstschmiedearbeit von K.-H. Steinbrück, KPG „neue form“ Seidewinkel. Parallel zum Schwarze-Elster-Kanal verläuft die von mächtigen Stiel- und Roteichen gesäumte Umgehungsstraße, welche die Altstadt von der Neustadt trennt.

Elsterbogen um 1960
Elsterbogen um 1964

Wohnkomplex I

Im Jahr 1957 begann die Bebauung östlich des Schwarze-Elster-Kanals, es entstand Hoyerswerda-Neustadt. Die offizielle Grundsteinlegung erfolgte am 15. Juni 1957 am Wohnblock 103 der heutigen Dameraustraße 2-10. Dieser Block wurde in Blockbauweise errichtet.

Bereits am 2. Mai 1957 war am Block 114 die erste Großplatte montiert worden. Dies war der Beginn des industriellen Wohnungsbaus in der Plattenbauweise. Die wandgroßen Elemente, mit Türen und Fenstern versehen, wurden im „Betonwerk“ Zeißig gefertigt. Damit konnten „rund um die Uhr“ und im Sommer genau so wie im Winter Wohnungen montiert werden.

Parallel zum Plattenbau wurden in diesem Stadtteil Häuser im bereits bewährten Blockbau und ausschließlich in viergeschossiger Bauweise errichtet. In der zentralen Grünachse liegen die Versorgungseinrichtungen, die Gaststätte „Glückauf“, die Schule und der Kindergarten.

In diesem Stadtteil, in der Liselotte-Herrmann-Straße 20, wohnte von 1960 bis 1968 die Schriftstellerin Brigitte Reimann. Die Straßen sind nach bekannten Persönlichkeiten der Stadt benannt, u. a. Konrad Zuse, Otto Damerau, Brigitte Reimann und Günter Peters.

Wohnkomplex I um 1965
Wohnkomplex I um 1960

Wohnkomplex II

Das zweite Wohngebiet in Hoyerswerda-Neustadt entstand ab 1957. Bis zum Jahr 1961 wurden Blöcke mit vier Geschossen in Großblockbauweise gebaut. Nachdem sich in den Wohngebieten III und IV die Plattenbauweise bewährt hatte, wurden 1962/63 weitere Wohngebäude im P1-Typ errichtet, jedoch mit steilen Dächern wie die Großblockbauten. Die Randbebauung an der Einsteinstraße wurde 1963 mit flach geneigten Dächern weitergeführt. Nach 1970 entstanden ein elfgeschossiges Wohnhaus mit Verkaufseinrichtungen im Erdgeschoss sowie das Gästehaus.

Die obligatorische Schule und die Kindergärten liegen abseits der Hauptstraße an der Schwarzen Elster. Im Grünraum des Wohnkomplexes fanden die Werke des 3. Bildhauer-Syposiums (Thema: „Jahr des Kindes“) ihren Platz. Im Park zwischen der B 97 und dem WK II neben der dortigen Baumschule wurden die Werke des letzten Bildhauer-Syposiums (Thema: „Jahr der Behinderten“) platziert.

Im Jahr 2000 entstand an Stelle der Wohngebietskaufhalle eine größere Verkaufseinrichtung mit weitläufigem Parkplatz. Die Straßen sind nach bekannten Wissenschaftlern benannt, u. a. Albert Einstein, Frederic Joliot Curie und Wilhelm Conrad Röntgen.

Wohnkomlpex II um 1961
Wohnkomlpex II um 1961

Wohnkomplex III

Das Wohngebiet III wurde erstmals ausschließlich von 1959 bis 1961 in Plattenbauweise nach der Typenreihe P1 errichtet. An der Bautzener Allee befinden sich achtgeschossige Wohnblöcke. Diese wurden mit einem aus der BRD importierten Turmdrehkran montiert.

Es sind die ersten achtgeschossigen Wohnbauten überhaupt in der Plattenbauweise. In diesem Stadtteil wurden auch erstmalig die Kellergeschosse aus Großplatten montiert. Da die Außenwände der Häuser Farbanstriche erhielten, mussten sie nach der Montage noch eingerüstet werden.

Die Straßen sind nach bekannten Dichtern und Schriftstellern benannt, u. a. Erich Weinert, Bertolt Brecht, Johannes R. Becher, Johann Gottfried Herder und Heinrich Mann.

Wohnkomplex III um 1965
Wohnkomplex III um 1965

Wohnkomplex IV

Zwischen 1961 und 1962 entstanden fast 1.400 Wohnungen in der Plattenbauweise P1. Im zentralen Bereich befindet sich das Versorgungszentrum, das erstmals auch in Montagebauweise errichtet wurde.

Die Schule an der Schumannstraße wurde 1963/64 in 2-Mp-Skelettbauweise errichtet, wie sie für spätere Gesellschaftsbauten (z.B. das Klinikum) zum Einsatz kam. 1976 und 1984 erfolgte eine Verdichtung durch Wohnblöcke in der Plattenbauweise P2 (Y-Haus, Würfelhäuser). Im zentralen Grünraum entstand nach 1990 das Gotteshaus der neuapostolischen Gemeinde in Nachbarschaft zum katholischen Kindergarten.

Die ehemalige Gaststätte hieß „Melodie“. Die Straßen sind nach bekannten Komponisten benannt, u. a. Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Franz Schubert und Richard Wagner.

Wohnkomplex IV
Wohnkomplex IV

 

 

Wohnkomplex V

Zwischen 1962 und 1964 wurde das Wohngebiet V erbaut. Während des Bauablaufs kam es zum Wechsel vom P1-Typ zum neuentwickelten Typ „Hoyerswerda“. In mehreren Etappen wurde das Wohngebiet erweitert. Es entstanden der Bereich WK VE sowie die Randbebauung zum Stadtzentrum mit fünf-, acht- und elfgeschossigen Gebäuden in der Bauweise P2.

Die Gaststätte hieß „Kosmos“. Die Straßen sind nach bekannten Medizinern benannt, u. a. Christoph Wilhelm Hufeland, Ignaz Philipp Semmelweiss und Rudolf Ludwig Karl Virchow.

Unser Foto: Im Berufsverkehr zwischen Hoyerswerda und dem Kombinat Schwarze Pumpe wurden einige Zeit Doppelstockbusse eingesetzt.

Wohnkomplex V um 1970
Wohnkomplex V um 1970

Wohnkomplex VI

Zwischen 1964 und 1965 entstanden im Wohngebiet VI ca. 1200 Wohnungen. Erweiterungen erfolgten durch die Südrandbebauung, das Hochhaus „Am Knie“ und durch die Würfelhäuser. Alle bis 1964 errichteten Gebäude erhielten einen Fassadenanstrich. Im östlichen Bereich fanden erstmals Außenwandplatten mit Rollkies- und Splittvorsatz Anwendung. Außerdem wurde an einem Block die Raumzellenbauweise erprobt. Dabei wurden mehrere Betonelemente im Betonwerk zusammen gefügt, der Innenausbau des Segments vorgenommen, dieses zur Baustelle transportiert und dort montiert. Zeit- und Kosteneinsparungen konnten jedoch nicht erreicht werden.

Kennzeichen des Wohngebietes sind ein Rosarium und das Planetarium. Beide entstanden Ende der 60er Jahre im „Nationalen Aufbauwerk“ (NAW), das heißt bei unentgeltlichen Arbeitseinsätzen. Im Frühjahr sind die blühenden Sternmagnolien eine Augenweide. Die Gaststätte hieß „Libelle“. Die Straßen sind nach bekannten Kosmonauten und Astronauten benannt, u. a. Juri Gagarin, Valentina Tereschkowa, Neil Armstrong, Michael Collins.

Wohnkomplex VI um 1970
Wohnkomplex VI um 1970

Wohnkomplex VII

In den Jahren 1965 und 1966 wurde mit dem Wohnkomplex VII das in den fünfziger Jahren beschlossene Baukonzept der Neustadt um drei Jahre verspätet abgeschlossen, allerdings ohne das ursprünglich geplante Stadtzentrum. Die sechsgeschossigen Würfelhäuser wurden um 1984 eingefügt. Es ist der einzige Wohnkomplex ohne direkten Anschluss an eine Hauptstraße. Der ehemalige „Freizeitkomplex Ost“, das heutige Sportforum, ist benachbart. Die Gaststätte heißt „Olympia“.

Werke des 7. Bildhauer-Symposiums von 1987 schmücken diesen Wohnkomplex. Die Straßen sind nach bekannten Humanisten und Sportlern benannt, u. a. Martin Luther, Philipp Melanchthon, Ulrich von Hutten und Friedrich Ludwig Jahn.

Wohnkomplex VII um 1975
Wohnkomplex VII um 1975

Wohnkomplex VIII

Die Wohnblöcke im Wohngebiet VIII errichtete man 1966 im Plattenbautyp „Hoyerswerda“. Erstmals kamen hierbei Zwischen- und Ecksegmente zum Einsatz. Im nördlichen Teil erfolgte 1967 die Umstellung auf den Typ P2, in dem auch die elfgeschossigen Wohnscheiben errichtet wurden. Die Oberflächen wurden mit Rollkies- bzw. Splittbeschichtung oder Keramikplatten sowie Oberflächenstrukturen versehen. Der Abschluss der Bauarbeiten erfolgte 1972. Durch die hohe Bebauungsdichte kam es zu einer eingeschränkten Größe der Freiflächen.

Mit dem Wohnkomplex VIII wurden viele gute städtebauliche Vorsätze aufgegeben und die nunmehr fünfgeschossigen Wohnhäuser anstatt der bisherigen Viergeschosser ohne Aufzüge errichtet. Die  „Planung“ sah nicht mehr 150 Einwohner pro Hektar vor sondern nunmehr 300 Einwohner. Zwei Hochhäuser wurden zusätzlich gebaut. Neben den bisher gebauten Wohnhaustypen kam erstmals auch das innen liegende Treppenhaus (ohne Fenster) zum Einsatz.

Drei Schulen und drei Kindergärten deuten ebenfalls auf die Größe dieses Wohnkomplexes und die enorme Bevölkerungsdichte hin. Das Gebietszentrum ist das „Treff 8 – Center“. Die schmückenden Keramikteller von Jüren von Woyski an der Kaufhalle wichen nach 1990 einer schlichten Blechverkleidung.

Die Straßen waren ursprünglich nach an der Grenze zwischen der DDR und der BRD tödlich verletzten DDR-Grenzsoldaten benannt. Nach 1990 wurden sie nach Ortschaften umbenannt, die dem Aufschluss von Braunkohle-Tagebauen in der hiesigen Region weichen mussten, u. a. Scadoer Straße, Buchwalder Straße und Ratzener Straße.

Wohnkomplex VIII um 1977
Wohnkomplex VIII um 1977

Wohnkomplex IX

Die fünf- und elfgeschossigen Gebäude wurden in der Bauweise P2 errichtet. Auch hier ist die Bebauungsdichte sehr hoch. Lange Straßenzüge prägen das Wohngebiet. Die Gliederung innerhalb des Wohngebietes erfolgt durch Zwischensegmente sowie die Stellung der Gebäude zueinander. Ein Alters- und Pflegeheim und ein Lehrlingswohnheim wurden nördlich an das eigentliche Wohngebiet angegliedert.

Gaststätte, Einzelgeschäfte und die zentrale Kaufhalle waren ursprünglich durch einen Laubengang zusammen gefasst. In diesem atriumartigen Höfchen wurden die Plastiken des 1. Internationalen Bildhauer-Symposiums aufgestellt.

Die Straßen wurden nach Persönlichkeiten und militärischen Führern in Befreiungskriegen benannt, u. a. Gerhard von Scharnhorst, August-Wilhelm Neidhardt von Gneisenau, Florian Geyer und Thomas Müntzer.

Wohnkomplex IX um 1976
Wohnkomplex IX um 1976

Wohnkomplex X

Im Wohngebiet X entstanden zwischen 1986 und 1990 in zwei Bauabschnitten fünf- und sechsgeschossige Gebäude in der Bauweise WBS 70. Die Häusergruppen begrenzen einen parkähnlich gestalteten inneren Grünraum, der erst 1992 fertiggestellt wurde. In den entstandenen Wohnhöfen sollten sich Verkehrs- und Ruhezonen abwechseln. Im zweiten Bauabschnitt wurden Wohngebäude mit Geschäften im Erdgeschoss errichtet. Auch die Bauten der sozialen Infrastruktur des Wohngebietes wurden mit Betonelementen in Montagebauweise errichtet.

Der erste Wohnkomplex jenseits der Bundsstraße B 97 ist zugleich der letzte Teil der neuen Stadt. Neben fünfgeschossigen Wohnbauten stehen auch sechsgeschossige ohne Aufzug. Am Rande des Wohngebietes entstanden das Laurentius-Heim, das Berufliche Schulzentrum „Konrad Zuse“ und auch ein Bowling-Center. Vom Wohnkomplex hat man einen guten Blick zur Ortschaft Seidewinkel.

Die Straßen wurden nach bekannten Bildenden Künstlern benannt, u. a. Käthe Kollwitz, Otto Dix und Otto Nagel.

Wohnkomplex X um 1980
Wohnkomplex X um 1988

Das Stadtzentrum

Bereits 1955 als wohnungsfreies Gebiet geplant, wurde das Stadtzentrum der Neustadt nur sehr zögerlich in Angriff genommen. Es sollte Gebäude mit übergeordneter Bedeutung umfassen und einen Übergang zur Altstadt herstellen. Als erstes Gebäude entstand das Fernmeldeamt, danach das CENTRUM-Warenhaus (heute Karstadt) in Stahlbetonskelett-Montagebauweise.

Mit der Errichtung des Hochhauses Einsteinstraße 1-5 wurde die Absicht, ein Stadtzentrum ohne Wohnungen zu bauen, aufgegeben. 1975 wurde der Bau von Wohnungen fortgesetzt. Es entstanden weitere elfstöckige Wohnhäuser, was ein endgültiges Abgehen von der ursprünglichen Konzeption bedeutete. Durch die Einordnung von Läden in die Erdgeschossbereiche entstanden zwei verkehrsfreie Geschäftsstraßen. In die Bebauung wurden wiederum Schulen, Kindereinrichtungen und medizinische Einrichtungen einbezogen. Nach langen Querelen erfolgte von 1977 bis 1984 der Bau des „Hauses der Berg- und Energiearbeiter“ (HBE; nach der Wende in „Lausitzhalle“ umbenannt) als zweites repräsentatives Gebäude.

Ein zentraler Platz – der ehemalige „Platz des 7. Oktober“ (nach der Wende in „Lausitzer Platz“ umbenannt) entstand erst mit dem Bau des HBE und wurde am 7. Oktober 1985 seiner Bestimmung übergeben. Umgeben von der Lausitzhalle, dem Lausitz-Center, dem ehemaligen CENTRUM Warenhaus, entwickelte sich der Lausitzer Platz nach 1989 faktisch zum „Neustädter Markt“.

Ausschließlich elfgeschossige Hochhäuser, teils mit Geschäften im Erdgeschoss, wurden errichtet. Folgerichtig entstanden auch hier Schulen und Kindergärten.

Ein zentraler Platz – der ehemalige „Platz des 7. Oktober“ (nach der Wende in „Lausitzer Platz“ umbenannt) entstand erst mit dem Bau des ehemaligen „Hauses der Berg- und Energiearbeiter“ (HBE; nach der Wende in „Lausitzhalle“ umbenannt) im Zeitraum 1977 bis 1984 und wurde am 7. Oktober 1985 seiner Bestimmung übergeben. Umgeben von der Lausitzhalle, dem Lausitz-Center, dem Karstadt-Kaufhaus (ehemals CENTRUM Warenhaus) und dem C&A-Kaufhaus, entwickelte sich der Lausitzer Platz nach 1989 faktisch zum „Neustädter Markt“.

Die ursprünglichen Bezeichnungen für Straßen und Plätze wurden nach der Wende zum Teil geändert, so erhielt beispielsweise die Promenade der Freundschaft den Namen Stadtpromenade und Am Ehrenhain wurde in Bonhoefferstraße umbenannt.

Mit zum Stadtzentrum gehören der kleine Park am heutigen Martin-Luther-King-Haus, ein ehemaliger Friedhof mit Kapelle an der einstigen Landstraße nach Bautzen, und der Ehrenhain.

 

Blick über das Ehrenhain in das Stadtzentrum zu den Elfstöckigen Wohnhäusern, die es so heute nicht mehr gibt
Blick über das Ehrenhain in das Stadtzentrum zu den Elfstöckigen Wohnhäusern, die es so heute nicht mehr gibt
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Geschichte – Stawizna