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Sächsischer Tag der Heimat in der Lausitzhalle

Rund 350 Gäste aus Hoyerswerda, der Region und aus dem gesamten Freistaat Sachsen, aus Brandenburg sowie auch aus dem polnischen Wałbrzych (früher Waldenburg) hatten sich am Samstag in der Lausitzhalle eingefunden, um gemeinsam den Tag der Heimat zu begehen. Diesem Termin vorausgegangen war bereits die traditionelle Kranzniederlegung an der Kriegsgräbergedenkstätte in Nardt.
Der Tag der Heimat ist neben den jährlichen Chortreffen der Höhepunkt für die Menschen, die im bzw. nach dem 2. Weltkrieg ihre Heimat durch Flucht oder Vertreibung verloren. Auch für Menschen, die dieses Schicksal nicht erleben mussten, gehört er zu den emotionalsten Gedenktagen im Jahreslauf: Immer wieder werden persönliche Schicksale wach – und immer weniger Menschen werden es, die diese Geschichten erzählen können. Maßgeblich vorbereitet und organisiert wird der Tag der Heimat vom Hoyerswerdaer Bund der Vertriebenen unter Leitung von Gisela Lossack.
„Wer die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten will, darf vor der Vergangenheit nicht die Augen verschließen. Die Toten mahnen die Lebenden“. Das waren die mahnenden Worte des Superintendent i.R. Friedhart Vogel während der Kranzniederlegung. In der Lausitzhalle griff Frank Hirche, MdL und Vorsitzender des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e. V. sowie Vorsitzender Europaausschusses, diesen Gedanken auf. Unsere Stadt, so Hirche, steht zur Aufarbeitung der Geschichte. Im Bahnhofsgebäude entsteht in Kürze ein Begegnungs- und Bildungszentrum. Es wird Flucht und Vertreibung thematisieren und sich insbesondere auch an die junge Generation richten.
Oberbürgermeister Stefan Skora würdigte in seiner Ansprache besonders die Lebensleistung der Vertriebenen, ihre Arbeit und ihr Engagement für die Stadt Hoyerswerda. Man schätzt, dass ungefähr 5000 Vertriebene ab Mitte der 1950-er Jahre herkamen. In Hoyerswerda gab es die Möglichkeit, in einer neuen Stadt mit neuen Wohnungen einen neuen, würdigen Platz zu finden. Weil hier damals viele fremd waren, fiel persönliches Fremdsein nicht mehr so auf. „Sie haben in unserer Stadt schwer gearbeitet, meist in der Kohle, haben die Neustadt mit aufgebaut und hier Kinder erzogen. Im Jahr unseres 750. Stadtjubiläums möchte ich diese Lebensleistung ganz besonders würdigen und Ihnen allen herzlich danken.“
Emotional wurde es noch einmal, als Ministerpräsident Michael Kretschmer das Wort ergriff: „Meine Großeltern waren selbst Heimatvertriebene. Lange Zeit konnten sie nicht offen darüber reden.“
Erst nach 1990 erfuhr Kretschmer durch Einrichtungen wie das Schlesische Museum in Görlitz oder das Europäische Zentrum für Vertreibung Berlin mehr von diesen Schicksalen. Solche Einrichtungen leisten heute wissenschaftliche Aufarbeitung auf hohem Niveau, Hoyerswerda, wird mit seinem neuen Bildungszentrum im Bahnhof schon bald dazu gehören.
Im Anschluss sangen die Gäste im Saal gemeinsam mit den Hoyerswerdaer Vielharmonikern die Hymnen aus der früheren Heimat. Die Tränen fließen dabei noch immer.

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